Walkshops

Übersicht über die Walkshops des 6. Weinheimer Symposion „Würde ist tastbar“

Ilke Crone (hörend), Manuela Rossmar (gehörlos), Uta Schmittgen (hörend) (Bremen):

Schau mal genau hin – sichtbare Würde in der Kommunikation mit Gehörlosen

Martin Post & Martina Schmitt (Hamburg):

Wenn Würde Platte macht ...

Jo Ruoff (Aachen) & Julia Strecker (Köln):

WürdeRäume – eine sinnliche Raumerfahrung in drei Akten

Werner Glenewinkel (Bielefeld):

Würde im zivilgesellschaftlichen Alltag

Martin Lemme, Barbara Ollefs, Bruno Körner mit Martin Krummeich, Stadt Köln

Neue Autorität und Würde

Judith Fortmann und Sigrun Thiele-Wöbse (Osnabrück):

Würde mit Hindernissen

Günter Engel (Riegelsberg):

Wo bleibt die Würde in der Schule?

Christoph Elling & Ulrich Bunk (Osnabrück):

… ich Würde gern … - die Lust am Moment

Caterina Albert:

Die Würde des Menschen

Ilke Crone (hörend), Manuela Rossmar (schwerhörig), Uta Schmittgen (hörend) (Bremen):

Schau mal genau hin – sichtbare Würde in der Kommunikation mit Gehörlosen

In Deutschland leben ca. 800.000 gehörlose Menschen. Ihre Sprache ist die Deutsche Gebärdensprache, die erst seit 2002 anerkannt ist. Auch wenn die neuen Medien wie Internet, Chat und Mobiltelefone die Kommunikation der Gehörlosen mit der hörenden Umwelt verbessert haben, scheitert die direkte Begegnung noch oft genug an der Hilflosigkeit der Hörenden im Umgang mit Menschen, für die Sehen wichtiger ist als Hören.

Auch die Geschichte vieler Gehörloser ist noch heute eher eine Aneinanderreihung entwürdigender Prozeduren, Behandlungen und Lernprozesse. Auch heute (noch) scheint es primär darum zu gehen, die in der Gehörlosigkeit gesehene „Behinderung“ oder Beeinträchtigung größtmöglich zu mindern, um eine Anschlussfähigkeit an die hörende Welt zu ermöglichen. So sinnvoll dies einerseits sein mag, so kränkend und entwürdigend wirkt es vielfach auf die Betroffenen.

Wir möchten in unserem Walkshop zum einen sensibilisieren und ermutigen – zum anderen wollen wir in praktischen Übungen dazu beitragen, dass Hörende eine Idee davon bekommen, wie sie in Alltagssituationen (oder auch in Notsituationen) respektvoll mit gehörlosen Personen kommunizieren können. Und wir werden in einem kleinen „Gebärdensprachchor“ zeigen, wie viel Spaß in dem Versuch stecken kann, ohne Stimme zu singen.

Ort: Integrationsfachdienst Köln, Lupusstraße 22, 50670 Köln (Räume sind barrierefrei zugänglich und bieten maximal 30 Personen Platz)

Wenn Würde Platte macht ...

Walkshop in der Lebenswelt von jugendlichen Obdachlosen am Kölner Hauptbahnhof. Die TeilnehmerInnen des Walkshops erkunden die Lebenswelt Bahnhof. Dazu dient ein Besuch in der B.O.J.E.: Der Beratungsbus B.O.J.E. ist ein niedrigschwelliges Kontakt- und Beratungsangebot für Jugendliche und junge Erwachsene aus der Kölner Bahnhofsszene. Ein umgebauter Linienbus dient als Aufenthaltsort. Hier können sich die Besucher beraten lassen – freiwillig und anonym. Ein medizinischer Dienst sichert eine gesundheitliche Grundversorgung. Die jugendlichen BesucherInnen der B.O.J.E. werden an dem Walkshop beteiligt: Im Vorfeld werden Jugendliche und junge Erwachsene durch eine Wandzeitung Kommentare zum Thema „Würde ist tastbar“ sammeln und so auf das Gespräch im Walkshop Einfluss nehmen. Während des Walkshops könnten folgende Fragen das Gespräch leiten:

  • Wie gelingt Würde am Bahnhof?
  • Wie können Jugendliche würdevoll „Platte machen“?
  • Wie gelingt systemische Praxis hier oder anderswo in aufsuchenden Kontexten?
  • Was brauchen aufsuchende Teams von ihren KlientInnen, Leitungen oder SupervisorInnen
  • und …. ?

Ort: Die „B.O.J.E.“; Breslauer Platz / Hauptbahnhof

Sprach-los: Das Schöne zieht einen Teil seines Zaubers aus der Vergangenheit

„Es war alles wie immer“ und plötzlich erleben Menschen eine Situation, die den Verlust ihrer Sprache zur Folge hat. Unser „Verstehen und Hören“ nimmt eine fremde Dimension an, die Betroffenen als auch deren Angehörige oder Begleiter hören und fühlen sich unverstanden, überfordert und ohnmächtig. Wut und Ärger, der kleinste Konflikt führt zu einem zum Teil „sprachlosen“ Streit. Gemeinsam schauen wir auf die verschiedenen Ebenen und Dynamiken dieses Systems. Neue Impulse, neues gedankliches Handwerkzeug wahrzunehmen, um sich verständnisvoller zu begegnen, ist ein Ziel dieses Walkshops.

Ort: Caritas Beratungsstelle, Köln

Jo Ruoff (Aachen) & Julia Strecker (Köln):

WürdeRäume – eine sinnliche Raumerfahrung in drei Akten

Wir gehen zu drei unterschiedlichen Räumen in der Kölner Innenstadt.

und

begreifen
nehmen wahr
ertasten
diese

mit exemplarischen Sinnes- und Wahrnehmungsübungen.

Ort: Um welche Räume es sich handelt, wird vorher nicht verraten, nur soviel: Es handelt sich um einen funktionalen, einen verborgenen und einen sakralen Raum.

Würdevolles Arbeiten – Anregungen zur Selbstfürsorge und deren historische Wurzeln in der griechischen Antike

Stark engagierte Menschen haben oft Schwierigkeiten, Überlastung frühzeitig zu erkennen und der Arbeitsintensität, den Leistungsanforderungen sowie dem zeitlichen Aufwand Grenzen zu setzen. Zur Risikogruppe des heute häufig so genannten „Burnout“ gehören auch (und besonders) Menschen in sozialen Berufen. Als „Gegenmittel“ finden Ansätze wie „Selbstfürsorge“ und „Achtsamkeit“ zunehmend Beachtung. Dies ist eine (historische) Wiederentdeckung, denn bereits die griechischen Philosophen der Antike beschäftigten sich mit der Ethik des Umgangs mit sich selbst.

Der Walkshop will anhand von kreativen Methoden (z.B. Arbeit mit Bildkarten), über verschiedene Sinneseindrücke, (Selbst-)Beobachtungen, Austausch von Erfahrungen und einem Theorie-Exkurs in die Antike Impulse für die Selbstfürsorge geben. Er findet an einem Ort statt, der zur Selbstfürsorge einlädt. Um die Wahrnehmung von Geschwindigkeit und Zeit(erleben) zur Einstimmung zu fördern, empfehlen wir, den Weg dorthin in achtsamer Weise zu gehen. Neben dem „Selbsterfahrungsaspekt“ können die TeilnehmerInnen Anregungen für die Umsetzung in der Arbeit mit den KlientInnen bekommen. Der Walkshop beschäftigt sich v.a. mit folgenden Fragen:

  • Womit können wir uns (und unsere KlientInnen) ermutigen, sich um Selbstfürsorge zu kümmern und in Würde zu arbeiten?
  • Welche Methoden sind dafür hilfreich?
  • Was kann uns davon abhalten?
  • Welche Anregungen können wir aus den antiken Betrachtungen zu Würde und Selbstfürsorge für unser eigenes Handeln finden?

Wir verstehen den Walkshop als eine Inspiration, sich mit einer Ethik des verantwortungsvollen Umgangs mit sich und den Klienten auseinanderzusetzen.

Ort: Dominikanerkloster

Willi Oberheiden (Rheinbach):

… wenn Würde angetastet wird.

Suche nach einem Weg: Erfahrungen aus der Gefängnisseelsorge
 
Der Start: Menschen, die die Würde von anderen Menschen angetastet haben, und deren Würde von anderen Menschen angetastet wird. Vielleicht kann man von der Würde her die Situation im Gefängnis so beschreiben.
Was ist, wenn ich die Würde eines anderen antaste? Was ist, wenn meine Würde angetastet wird? Oder ist Würde unantastbar? Geht mir das alles „am Arsch vorbei“, weil Würde bleibt, auch wenn Rechte verletzt oder eingeschränkt werden? Oder werde ich besonders sensibel für Würde, wenn sie angetastet wird?
Ein Täter tastet die Würde seines Opfers an? Ein „Wärter“ tastet die Würde des Gefangenen an? Darf die Würde desjenigen angetastet werden, der die Würde eines anderen angetastet hat? Zeigen diese Extremsituationen hilfreiche Sichtweisen für Beratung und Therapie oder für menschliches Miteinander überhaupt auf?

Der Weg: Maternushaus > El-De-Haus (Gedenkstätte: ehem. Gestapo-Dienstgebäude), Appellhofplatz 23-25 > Klingelpütz (Grünfläche, auf der die alte JVA Köln „Klingelpütz“ stand) bei gutem Wetter Gespräch im Freien > Maternushaus

Das Ziel: Gedanken um Verletzlichkeit und Unverletzlichkeit von Würde

Die Landkarte: Reader

Der Wegweiser: Willi Oberheiden, Gefängnisseelsorger

Werner Glenewinkel (Bielefeld):

Würde im zivilgesellschaftlichen Alltag

I. Der normative Himmel

Die Vorstellungen über WÜRDE werden bestimmt von einem Spannungsfeld. Die Spannung besteht zwischen der normativen (= so soll es sein) Feststellung in Artikel 1 Absatz 1 Satz 1 des Grundgesetzes (GG): „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und der alltäglichen Realität (= so ist es), für die gilt: „Die Würde des Menschen wird auf vielfache Weise und immer wieder angetastet“.

Der Verfassungsauftrag in Artikel 1 des GG – nämlich das Gebot der Unantastbarkeit (Artikel 1 Abs. 1 S. 1), das Bekenntnis zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten (Artikel 1 Abs. 2), die Pflicht aller staatlichen Gewalt, die Würde zu achten und zu schützen (Artikel 1, Abs.1. S. 2), und  als i-Tüpfelchen die Geltung aller Grundrechte als unmittelbar geltendes (Artikel 1 Abs. 3) – bildet den „normativen Himmel“, unter dem sich der zivilgesellschaftliche Alltag im Umgang mit unser aller Würde abspielt. In diesen verrechtlichten Alltag wird Artikel 1 GG zu einem Wertemaßstab für die Interpretation von Rechtsnormen – insbesondere für unbestimmte Rechtsbegriffe wie „gute Sitten“ oder „Sittenwidrigkeit“.

II. Die Spannung zwischen oben und unten

Wie können die strikte Normativität des Würde-Begriffs im GG „da oben“ und die vielfältigen individuellen Wirklichkeitskonstruktionen zu Würde „da unten“ in diesem Walkshop zueinander finden?

Zunächst einmal müsste aus meiner Sicht die GG-Normativität als der demokratisch legitimierte – und damit konsensuelle – Rahmen anerkannt werden. Damit ergibt sich die Möglichkeit, die verschiedenen Welt- (und auch die hier vorgestellten vielfältigen Walkshop-) Sichten auf einen gemeinsamen Maßstab beziehen zu können. Daran könnte sich eine Art Arbeitsteilung anschließen: In meiner Rolle als Walkshop-Anbieter mit juristischer Sozialisation übernehme ich es, die Normativität zu verkörpern und Sie – die TeilnehmerInnen – können daran ihre individuellen Würde-Ansichten „abarbeiten“.

„Wo ist Würde tastbar?“ wird dann zur Leitfrage. Sie soll helfen – entsprechend der Symposium-Einladung – sich „an die Würde, an Sie, an uns selbst“ heranzutasten: Also zunächst zu beobachten, wahrzunehmen und zu beschreiben. Erst dann einzuschätzen und zu bewerten. Und schließlich Wege zu finden, sich in diesem zivilgesellschaftlichen Alltag zurechtzufinden und angemessen zu verhalten.

III. Der Walkshop als Erfahrungs-Zeit-Raum

Der Walkshop beruht auf zwei Rahmenbedingungen: Die Blickrichtung in diesem Workshop ist subjektiv, d.h. der Blick richtet sich auf jeden Einzelnen von Ihnen – auf das eigene Verhalten, persönliche Handlungsoptionen und individuelle Verantwortlichkeiten. Und das Vorgehen ist induktiv, d.h. ausgehend von vielfältigen Einzelerfahrungen geht es um den Versuch, Gemeinsamkeiten, Muster und/oder Regelmäßigkeiten zu entdecken, am normativen Anspruch zu messen und Perspektiven zu erkennen..

Ausgangspunkt ist das Maternushaus. Ich versorge Sie mit einem Stück aus dem „normativen Himmel“ (= kurzer Text), gebe einen Zielort an und mache eine Zeitvorgabe. Sie machen sich auf den Weg – alleine oder zu zweit – unter der Überschrift „Wo ist Würde tastbar?“ und sammeln mit allen Sinnen (z.B. mit Papier & Bleistift, Fotoapparat, Tonbandgerät, Video) auf dem Weg zum Zielort alles ein und auf, was Ihnen unterwegs über den Weg gelaufen/in den Sinn gekommen /begegnet ist.

Ihre Erfahrungen (Ergebnisse, Vorstellungen und Ideen) werden wie Puzzle-Teile gemeinsam ausgebreitet, betrachtet, diskutiert und – wenn möglich – zusammengesetzt.

Kontakt erwünscht über werner.glenewinkel@t-online.de

Ort: Vom Maternushaus zum Zielort Gulliver, Kölner Arbeitslosenzentrum in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof in der Trankgasse 20, Bahnbogen 1

Birgit Averbeck (Dortmund), Heike Rauser-Boldt (Dortmund):

Im Wächteramt nach Würde tasten oder: Wie kann ein würde-voller Umgang in der Jugend- und Gesundheitshilfe mit Familien im Kontext Kinderschutz aussehen?

Die Jugendhilfe hat die Aufgabe, Eltern zu beraten und Hilfen anzubieten, so dass sie die Versorgung und Erziehung ihrer Kinder eigenverantwortlich leisten können. Auf der anderen Seite haben die Sozialarbeiter/innen in den Jugendämtern auch das Wächteramt des Staates und die Verpflichtung, bei Misshandlungen und Vernachlässigungen, Kinder vor ihren Eltern zu schützen. Viele Eltern haben große Ängste vor dem Jugendamt, da sie befürchten, dass ihnen die Kinder „weggenommen werden“, wenn sie gesellschaftlichen Normen nicht entsprechen. Eine Nicht-Kooperation mit dem Jugendamt kann durchaus ein Schutz vor Kontrollverlust sein und somit ein Lösungsversuch einer bedrohlichen Situation.
Für Fachkräfte im Jugendamt, bei freien Trägern und im Gesundheitswesen existiert im beruflichen Alltag ein ständiges Spannungsfeld zwischen Beratung und Hilfe einerseits und Kontrolle elterlichen Verhaltens andererseits. Bis wohin darf oder muss ich die Ablehnung von Hilfen durch die Eltern akzeptieren und aushalten, dass Kinder in schwierigen Lebenssituationen leben müssen und ab wann bin ich verpflichtet zu handeln, Informationen weiterzugeben und dadurch in die familiäre Autonomie einzugreifen.

Durch das im Januar 2012 rechtskräftig gewordene Bundeskinderschutzgesetz wird eine neue Verbindlichkeit in die Kooperation der Helfersysteme gebracht, die verpflichtet sind, auf Hinweise auf Kindeswohlgefährdung zu achten und entsprechend zu reagieren.

Eine Voraussetzung, sich wirklich auf Hilfen des Jugendamtes einzulassen, ist, dass Eltern den Mut entwickeln, auf schwierige Seiten ihres Verhaltens zu schauen und das Vertrauen haben, dass eine Änderung und eine bessere Zukunft für sie und die Kinder möglich ist. Nur wenn Eltern im Kontakt mit dem Helfersystem ihre Würde wahren können und sich in ihrem Menschsein von Fachkräften der Jugendhilfe, Therapeuten, Ärzten und Beratern respektiert fühlen, kann dies gelingen.

In dem WS wird u.a. folgenden Fragen nachgegangen:

Wie ist es möglich, Eltern ihre Würde zu lassen, auch wenn Kinder schwer misshandelt und vernachlässigt werden und Fachkräfte handeln müssen? Was kann ich im Allgemeinen Sozialen Dienst und in anderen Beratungskontexten der Jugend- und Gesundheitshilfe tun, dass Eltern ihre Würde wahren können, auch wenn sie oft gar keinen Zugang mehr dazu haben?  Wie können die Helfersysteme die gesetzlich geforderte Kooperation den Familien gegenüber transparent und würdevoll gestalten?
...und woran merken Eltern und Fachkräfte, dass sie sich auf den Weg gemacht haben?

Ort: molter nöcker networking, Hohenstaufenring 17, 50674 Köln

Martin Lemme, Barbara Ollefs, Bruno Körner mit Martin Krummeich, Stadt Köln

Neue Autorität und Würde

Ob wir unser Ziel erreichen, ist nicht so wichtig. Alles, was zählt, ist, mit welcher Motivation wir es anstreben.
Dalai Lama

Unter Eskalation in Familien entstehen in der Regel Situationen, in denen sich Eltern und Kinder zumindest zeitweilig ihrer Würde gegenseitig beraubt wahrnehmen. Ähnliches wissen wir aus der Schule, pädagogischen Einrichtungen und Pflege- und Adoptivfamilien. Es kommt zu Handlungsabläufen und Machtkämpfen, die beiderseitig Kränkungen, Verletzungen, Hilflosigkeit und Präsenzverlust der Eltern/PädagogInnen hervorbringen. In Seminaren des Curriculums „Systemisches Elterncoaching“ ist wiederholt die Frage aufgetaucht, ob durch Eingreifen im Sinne der Neuen Autorität und des Gewaltlosen Widerstandes nicht möglicherweise auch Würde erneut verletzt werden kann. So wollen wir in diesem Walkshop folgenden Fragen nachgehen:

In welchem Verhältnis stehen Würde und Autorität und Gewaltfreier Widerstand miteinander? Welche Erfahrungen dazu gibt es im Coaching der Präsenz von Eltern, Lehrern und anderen pädagogisch Tätigen?

In welchem Verhältnis stehen Scham und Würde, Präsenz und Würde?

Und welche Handlungsnotwendigkeiten gibt es möglicherweise?

Welche als würdevoll oder würdelos erlebten Erfahrungen haben die Walk-Shop-Tln dazu gemacht?

Welchen Beitrag können wir als Berater/Elterncoach leisten, um die Würde von Eltern und ihren Kindern selbst unter Eskalation zu schützen?

Welche Haltung ist hilfreich für die Gestaltung eines „Würde“-vollen Rahmens?

Dabei werden wir uns auch auf die philosophische Grundhaltung des Gewaltfreien Widerstandes nach Gandhi beziehen, die in den Begriffen aus dem Sanskrit „swaraj“ (Selbstkontrolle), „ahimsa“ (Gewaltlosigkeit) und der damit verbundenen Grundhaltung „satyagraha“ zum Ausdruck kommt.

Wir müssen selbst die Veränderung sein, die wir sehen möchten. M. Gandhi

Rahmen:

Zu diesem Walk-Shop treffen sich Interessierte mit dem Arbeitskreis „Neue Autorität“ der Familienberatung und des Schulpsychologischen Dienstes der Stadt Köln sowie möglicherweise weiteren Beratungsstellen in Köln.

Ort:

NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz 23-25

Methoden:

Angeleiteter Erfahrungsaustausch, -berichte, Input über die Handlungsaspekte der Neuen Autorität. Dazu Impulsfragen und vorbereitete Interventionsbeispiele.

Gemeinsamen sollen Grundlagen und Handlungsorientierungen des therapeutisch-beraterischen Handelns im Rahmen des „Coaching von Eltern und professionell pädagogisch Handelnden zur Steigerung der Präsenz“ formuliert werden, die einen großen Möglichkeitsraum für den Erhalt der Würde aller Beteiligten, eine entsprechende Haltung skizziert.

Tanja Kuhnert (Köln):

In Würde Leben – Lebenswirklichkeiten für Menschen im Hartz-IV-Bezug

Ausgehend von der Frage, inwieweit ein würdevolles Leben in der Abhängigkeit von ALG II/Hartz IV möglich ist, soll dieser Walkshop in einen Lebensraum führen, in dem die Dichte der Menschen, die von Transferleistungen abhängig sind, sehr hoch ist. Der so genannte soziale Brennpunkt Köln-Chorweiler bietet einen Mikrokosmos von räumlicher Nähe zwischen Hilfebedürftigen, sozialen Institutionen, Ämtern und sozialem Lebensraum.

Der Walkshop möchte sich den Fragen und Überlegungen widmen, inwieweit Menschen ihre Würde behalten, wenn Sie von 365 € im Monat leben müssen und einen Großteil ihres Lebens nur in Absprache mit dem Leistungsträger gestalten können. Wie wirkt das soziale Umfeld, der Wohnraum im Stadtteil mit besonderen sozialen Notlagen auf die Würde der Menschen und wie reagieren Helfer und Helferinnen auf diesen Umstand? Wie können Helfer und Helferinnen den Menschen würdevoll begegnen, ihnen ihre Würde zugestehen und dabei unterstützen, ihre Würde zu behalten? Dies soll auch in einer Gesprächsrunde mit AkteurInnen aus dem Stadtteil diskutiert werden.

Programm: Gemeinsame Fahrt nach Köln-Chorweiler per S-Bahn (Fahrtkosten müssen selber getragen werden!), Spaziergang durch den Stadtteil, die Referentin ist ortskundig. Auf dem Weg dorthin und während des Spaziergangs werden anhand einzelner Fragen verschiedene Aspekte zum Thema Würde erarbeitet. Die Ergebnisse werden per Fotodokumentation zusammengeführt (Es können gerne eigene Fotoapparate mitgebracht werden!). Anschließend Gesprächsrunde mit AkteurInnen des Stadtteils voraussichtlich im Bezirksrathaus mit Kurzfilm. Auf dem Rückweg Möglichkeit zum abschließenden Austausch.

Vorab Informationen über http://www.chorweiler.info möglich.

Asiye Balikçi (Köln)

Tuchfühlung mit der Frauenwürde in den verschiedenen Religionen und Kulturen

Ablauf:

  • Fahrt vom Hauptbahnhof nach Köln-Kalk zum Mehrgenerationenhaus – einer Beratungseinrichtung des Caritasverbandes für Migrantinnen und Migranten
  • Reflexion während der Fahrt über den eigenen Würdebegriff (Was bedeutet Würde für mich?)
  • Austausch und Gesprächsrunde mit Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen aus Italien, Philippinen, Portugal, Spanien, Griechenland, Irak und Deutschland über die Würde der Frauen in den unterschiedlichen Religionen und Kulturen
  • Anschließend Fahrt nach Köln-Ehrenfeld zum Neubau der größten Moschee Deutschlands
  • Dort Gespräch und Austausch mit einer Muslima zum Thema „Würde der Frauen im Islam“

Inhalte:

  • Was bedeutet Würde für mich persönlich?
  • Wie wird die Würde der Frau in den verschieden Religionen und Kulturen definiert?
  • Gibt es dazu Unterschiede in der Definition der Würde von Männern in den unterschiedlichen Religionen und Kulturen?
  • Gibt es Unterschiede beim Würdebegriff im Herkunftsland und in Deutschland?
  • Kann man als Frau und als Mann Würde verlieren?
  • Wer hat die Entscheidungshoheit darüber?

Ziele:

  • Selbstreflexion über den eigenen Würdebegriff
  • Information über den Würdebegriff in unterschiedlichen Religionen und Kulturen
  • Sensibilisierung im Umgang mit Frauenwürde aus unterschiedlichen Religionen und Kulturen in der Beratung und Therapie
  • Austausch vor Ort in einer international besetzten Beratungseinrichtung

Ort:

Mehrgenerationenhaus der Caritas in Köln-Kalk

Würde mit Hindernissen

Selbstverständlich (be)achten wir Menschen mit Behinderung – oder etwa nicht?! Wo und wie sind wir mit ihnen in Kontakt?

Unser Walkshop lädt ein, sich sowohl in die Lebenswelten von behinderten Menschen einzufühlen als auch für folgende Fragen zu sensibilisieren:

  • Wie sieht eigentlich der Alltag mit einem Handicap aus?
  • An welche Hindernisse stoßen behinderte Menschen?
  • Welche Bedingungen ermöglichen und fördern respektvolle Begegnungen?
  • Was bedeutet ein selbstbestimmtes Leben für die eigene Würde?
  • Wie kann ich würdevoll begleiten?

Auf diesem Walkshop besuchen wir das Zentrum für selbstbestimmtes Leben Köln – eine Beratungsstelle für Behinderte von Behinderten. Dort möchten wir uns in einen gemeinsamen Austausch und in die Auseinandersetzung mit dem Thema begeben.

Auf dem Weg dorthin „behindern“ wir uns!

Ort:

Zentrum für selbst bestimmtes Leben Köln (ZsL Köln), An der Bottmühle 2, 50678 Köln (Südstadt)
Max. TN-Zahl: 16

Günter Engel (Riegelsberg):

Wo bleibt die Würde in der Schule?

Schule kann ein Ort sein, in dem die Würde mit Füßen getreten wird, und sie kann ein Ort sein, in dem würdevoller Umgang erfahrbar wird. Jeder von uns ist in die Schule gegangen und hat unterschiedliche Erfahrungen im Umgang mit seiner Würde erleben können. Eltern haben Kinder in der Schule und erleben nicht selten eine Wiederholung ihrer eigenen Erfahrungen. Schule ist ein Ort, in dem die Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterschiedliche Facetten des würdevollen und würdelosen Umgangs miteinander erleben.

Würdeloser Umgang mit Schülern, Eltern und Lehrern geschieht oft in Schulorganisationen, in denen Stress, Leistungsdruck, Angst und Willkür vorherrschen. Schulen, die eine wertschätzende und lösungsorientierte Kommunikationskultur entwickeln und professionellen Umgang mit verletzter Würde gefunden haben, entwickeln sich zu einer humanen Schule.

In diesem Walk-/workshop wollen wir auf eigene schulische Erfahrungen eingehen und einen Ideenpool aus dem Blickwinkel systemisch-konstruktivistischer Denk- und Handlungsformen für eine würdevolle Schulkultur erarbeiten.

Ort: Bewohnerbetreuung der „Residenz am Dom“

Christoph Elling & Ulrich Bunk (Osnabrück):

… ich Würde gern … - die Lust am Moment

Das Leben steckt voller Möglichkeiten. Der Mensch ist zur Freiheit verdammt, er existiert in dem Maße, in dem er sich selbst verwirklicht. Dieser Möglichkeitsraum verleiht Autonomie, Identität und menschliche Würde. Gute Idee, Herr Sartre.

Und wir? Nutzen wir unsere Spielräume? Unsere Facetten und Potentiale? Oder spielen wir auf Sicherheit, kontrollieren wir unser „würde gern“? Wir neigen dazu, unseren Ideen zu misstrauen, sie vorschnell zu bewerten („Ist das wirklich gut?“) und vergeuden damit den Reichtum, der in dem spontanen Impuls liegt.

Dieser Walkshop unterstützt Sie, Ihre Freude am Moment neu zu entdecken. Sie trainieren mit Methoden des Improvisationstheaters, wach zu bleiben für Ihre eigenen Wahrnehmungen und Impulse und so Ihre Spontaneität zu würdigen und nicht leichtfertig im Miteinander zu verlieren.

Würdevolles Miteinander heißt aber auch, frei und offen für den Anderen zu sein. Die eigenen Ideen nicht einseitig durchsetzen zu wollen und damit Grenzen zu verletzen, sondern den Impulsen und Gedanken des Gegenübers akzeptierend und würdevoll zu begegnen, sie als wertvoll zu achten, das ist komplex und nicht immer einfach.

Improvisation bedeutet, eine Herausforderung mit den im Moment zur Verfügung stehenden Mitteln zu lösen. Und das ist Ihre Fähigkeit zum spontanen Handeln in Gegenseitigkeit. Würden Sie gern oder ist das unter Ihrer Würde?

Ort: Theater im Hof

Lale Heim (Trier):

„Angetastete Würde“ – sexualisierte Kriegsgewalt in Ruanda

Ruanda ist ein kleines Land. Und traurig berühmt. Im Genozid im Jahre 1994 eskalierte der ethnische Konflikt zwischen Hutus und Tutsis und in der Folge wurden innerhalb von nur drei Monaten mehr als 800 000 Tutsis und gemäßigte Hutus ermordet. Tausende Frauen wurden vergewaltigt. Viele dabei systematisch mit HIV infiziert.

Wie leben diese Frauen heute? Werden sie in ihrer Dorfgemeinschaft akzeptiert? Sind sie medizinisch versorgt? Welche Träume und Wünsche haben sie und wie sind ihre Gedanken zum Tod? – In 10 Gesprächen mit HIV-infizierten, ruandischen Frauen wurden diese und andere Fragen gestellt und von Frauen beantwortet, die eine Stimme haben wollten, die in Europa Gehör findet.

Die Geschichten der Frauen, das Thema sexualisierte Kriegsgewalt und die Frage, welchen Beitrag wir dazu leisten können, Menschen mit „angetasteter Würde“ zu unterstützen, sind Themen des Walkshops „Angetastete Würde“ – sexualisierte Kriegsgewalt in Ruanda.

Ort: Caritas Flüchtlingsberatungsstelle

Uller Gscheidel (Berlin):

Wenn wir mehr über Würde reden würden, würde Würde ... Handeln zwischen Leben und Tod – vom Umgang mit Verstorbenen aus der Sicht eines Bestatters

Ein Hund lebt zwar, ist juristisch gesehen aber eine Sache. Hat eine Leiche Menschenwürde oder endet diese mit dem Tod? Welche ganz praktischen Auswirkungen hat die Würde auf den Umgang mit dem Tod und den Toten?

Von unseren Berührungsängsten mit dem Leichnam, der uns mit unserer eigenen Sterblichkeit konfrontiert und wie wir es dennoch ermöglichen können, dass Tod und Abschied ein zum Leben gehöriges Erleben wird.

Ort: Krematorium Köln

Workshop zu: Die Würde des Menschen

Dieses Angebot findet als Workshop im Maternushaus selber statt, ist somit kein „Walkshop“ wie die anderen Angebote in dieser Kategorie. Eingebettet ist dieser Workshop in eine Ausstellung über die gesamte Zeit des Symposions.

Wir beginnen mit einem kurzen Gespräch. Wie kann emotional und direkt auf vorliegendem Material (Papier und Stifte) eine Haltung gezeigt werden zu dem Begriff „Würde“. Würde ist etwas, das verliehen wird. Nimmt man diesen Begriff in Anspruch, ist er tradiert aus der jüdischen Religion, dass der Mensch nach Gottes Ebenbild erschaffen wurde. So spricht man im alten Sprachgebrauch von „Würdenträger“, d.h. „Würde“ bekommt man von anderen verliehen.

Arbeitsweise: Stühle und Tische sind im Kreis angeordnet. Wir betrachten das Gegenüber, unsere Wahrnehmung ist ausgerichtet auf das, was der andere uns erlaubt zu sehen. Unsere Materialien sind Stifte, Pastell-Ölkreiden, Tusche und Zeichenpapiere A3 und A4. Die einzelnen Arbeiten können auch ausgerissen (Risse), aneinandergefügt sein als Notizen, Sprachfetzen, Zahlengleichungen, gezeichnete Porträts – Wahrnehmungen eines Details des anderen.

Möglich wären auch Fotos innerhalb des Prozesses – mit Handys, die ggf. am Computer ausgedruckt werden könnten.

All diese Arbeiten hängen die Teilnehmer an die Wand in Form einer großen Collage. Jeder entscheidet seinen Platz und das Nebeneinander … Von allen Seiten aufeinander zulaufend, in der Mitte verdichtet, Grenzüberschreitungen vermeidend. So ähnelt es einer Formel aus der Chemie.

Ich denke an eine Fotodokumentation dieser Gemeinschaftsarbeit – jeder Teilnehmer nimmt einen Abzug mit.

Im selben Raum an der gegenüberliegenden Seite stelle ich meine Farbzeichnungen aus einer Serie aus. Sie hat Bezug zu der Workshop-Arbeit. Ich habe hier Personen bei der Überquerung und der Ankunft in unbekannten Ländern betrachtet. Das, was sie mir gewährten. Und ich versuchte mit bildnerischen Mitteln ihre Wahrnehmung zu erfahren.

Ort: Maternushaus

Regina Kaiser (Dortmund):

Umgang mit Trauer in Beratungsprozessen: Die Würde der Großen und Kleinen, Jungen und Alten im Trauerfall

Trauer ist ein wichtiger Prozess der Umwandlung bei Verlust- und Trennungserlebnissen. Bei bewusstem Umgang, die Beratung möglich machen kann, kann am Ende nicht nur die Verarbeitung des Verlustes, sondern auch eine positive Entwicklung der Persönlichkeit und ein neuer Lebenswille stehen.

Menschen in dieser Situation begleiten zu dürfen, ist eine Herausforderung, weil die Beratenden immer mit der eigenen Trauergeschichte konfrontiert sind. Weinende Menschen können hilflos machen und die Gefahr sie zu „Entwürdigen“ ist hoch.

Inhalte: Aufgaben von Trauernden und Trauerarbeit in Systemen, Trauerphänomene bei Kindern und Jugendlichen, Würde als postmortales Persönlichkeitsrecht

Ort: Bestattungshaus