Systemisches Denken macht die Welt nicht besser?!

Karin Nöcker, Haja Molter & Prof. Dr. Arist von Schlippe

Fragen über Fragen
Eine systemische Sicht geht von dem Anspruch aus, soziale Zusammenhänge zu verstehen und zu verändern. Der Mensch als Individuum kann nur in seiner gleichzeitigen sozialen Verfasstheit begriffen werden. Systemische Therapie und Beratung bauen auf dem Konzept einer relationalen Wirklichkeit auf, die im gemeinsamen Diskurs in sozialen Systemen entsteht. Es geht im konstruktivistischen Vorgehen um die Erzeugung möglicher neuer Beschreibungen von Wirklichkeit, die jede Form verabsolutierender Formulierung vermeidet.

Doch reicht die Beobachtung der Beobachtung aus? Wo liegt die persönliche Verantwortung und Positionierung systemisch arbeitender Menschen, wenn doch „alles auch ganz anders“ beschrieben werden könnte? Reichen die Prämissen Respekt, Anerkennung der Unterschiede und Wertschätzung aus, um würdevolle Lebensumwelten zu schaffen?
Welches Gewicht hat heute systemisches Denken und Handeln in unserem gesellschaftlichen und politischen Leben?

Kann systemisches Denken und Handeln das Bewusstsein der Menschen verändern und mit beitragen, die kontinuierliche Zerstörung der Umwelt in einen fürsorglichen Umgang mit der Erde zu verwandeln?

Wie kann Systemisches Denken und Handeln dabei helfen, die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern aufzuheben und die Wertschätzung für angeborene Unterschiede aufrecht zu erhalten?

Was kann systemisches Denken und Handeln bei politischen, auch kriegerischen Auseinandersetzungen bewirken?

Kindesmissbrauch, Gewalt in Familien, Drogen- und Alkoholabhängigkeit -– was können wir als systemische Beraterinnen tun, wo liegt der Unterschied zu anderen Ansätzen?

Haja Molter stellte diese Fragen 1991 an Rosmarie Welter-Enderlin, Luigi Boscolo, Gianfranco Cecchin, Fritjof Capra und Matteo Selvini. Diese Interviews sind bis heute aktuell, wir haben sie 2011 prominenten VertreterInnen des systemischen Ansatzes gezeigt und aus heutiger Sicht kommentieren lassen. Über diese Fragen und Interviews diskutieren Haja Molter, Karin Nöcker und Prof. Dr. Arist von Schlippe mit Dr. Dietmar Hansch, dem Autor des Buches „Der Sprung ins Wir – die Neuerfindung der Gesellschaft aus systemischer Sicht“.